KRITIK: HEREDITARY – Das Vermächtnis

Er wurde gehyped, gefeiert und bekam ausschließlich positive Bewertungen. Ein Horror-Film mit stark aufspielenden DarstellerInnen, der neue Weg geht und anders ist. Ob der Film diesen Hype gerecht wird, erfährt ihr in dieser Kritik zu Hereditary – Das Vermächtnis.

Originaltitel: Hereditary

Regie: Ari Aster

Drehbuch: Ari Aster

Produktion: u.a. Lars Knudsen, Kevin Scott Frakes, Buddy Patrick und William Kay

Kamera: Pawel Pogorzelski

Musik: Colin Stetson

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HANDLUNG

Erzählt wird eine Geschichte über die Familie Graham. Annie (Toni Collette) lebt glücklich mit ihrem Mann Steve (Gabriel Byrne) und den beiden Kindern Peter (Alex Wolff) und Charlie (Milly Shapiro) in einem abgelegenen Haus. Annie ist Künstlerin und arbeitet für eine spezielle Ausstellung an besonderen Miniaturmodellen. Eines Tages stirbt das Familienoberhaupt Ellen, Annies Mutter. Nach und nach wird die Familie mit unerklärlichen und rätselhaften Ereignissen konfrontiert. Sie müssen sich mit diesen Ereignissen auseinandersetzen und sind einem grauenhaften Familiengeheimnis auf der Spur.

DREHBUCH UND STORY

Was für ein starkes Regiedebüt von Ari Aster, der gleichzeitig auch das Drehbuch schrieb. Er inszenierte einen ganz speziellen Horror-Film mit einer eigenen DNA, großartiger Atmosphäre und der Tatsache, dass dieser Film unvorhersehbar ist. Über dieses Werk sollte man nicht so viel erzählen, denn zu keiner Sekunde weißt du als Zuschauer was passiert.

Gleich zu Beginn wird klar, dass die Inszenierung langsam voranschreitet. Der Regisseur nimmt sich viel Zeit, seine Charaktere einzuführen und die Geschichte aufzubauen. Von Start weg hast du keine Ahnung, wohin die Reise geht. Es könnte ein Fluch sein, ein schlechter Traum oder doch etwas ganz Anderes. Es tauchen immer wieder neue, mysteriöse Figuren auf, die einen neuen Pfad einschlagen.

Was ich positiv erwähnen möchte ist, dass der Regisseur nicht auf klassische Horror-Elemente setzt. Es steht klar die Familie im Vordergrund und ihre Geschichte nach dem Ableben des Familienoberhauptes. Die erwartbaren Jumpscares fallen weg, die Thriller-Elemente stehen im Vordergrund. Generell ist der Horror-Anteil gering und somit hebt sich der Film von der Massa ab.

Die Geschichte ist unglaublich stark, Dialoge sind oft auf das notwendigste reduziert. Die Figuren sind sehr interessant gestaltet und geschrieben und auch die Harmonie zwischen den Cast-Mitgliedern ist phänomenal. Was ich kritisieren muss ist die Lauflänge, denn die knapp zwei Stunden sind definitiv zu lang. Vor allem das Ende wirkt ein wenig gestreckt, darüber hinaus bin ich mit diesem nicht sehr zufrieden. Dennoch ist Hereditary ein gelungener und sehenswerter Film, der von Anfang bis Ende Spaß macht.

DER CAST

Toni Collette (Madame) als Annie Graham

Toni Collette zeigt das gesamte Spektrum der Schauspielkunst. Fürsorgliche Mutter, talentierte Künstlerin, eine Frau, die nicht weiß ob sie schlafwandelt oder doch verrückt ist und noch vieles mehr. Ich möchte nicht spoilern an der Stelle, aber sie trägt den Film locker auf ihren Schultern. Annie ist eine sehr interessante Figur und ihre Entwicklung während des Filmes ist unvorhersehbar und einfach nur gruselig.

Alex Wolff (Jumanji: Willkommen im Dschungel) als Peter Graham

Alex Wolff ist ein noch nicht sehr bekannter Name in Hollywood, aber er beweist sein Talent und zeigt neben Toni Colette die stärkste Leistung des gesamten Casts. Er verkörpert Peter, den Sohn von Annie und er wird nach einem Schicksalsschlag mit mysteriösen Ereignissen konfrontiert. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten.

Weitere Charaktere

Eine ebenfalls sehr gute Leistung zeigt die noch unbekannte Milly Shapiro als Charlie Graham. Wie im Trailer zu sehen wirkt sie allein bei normalen Gesprächen sehr mysteriös und gruselig.

Die einfachste Figur verkörpert Gabriel Byrne (69 Tage Hoffnung), der den Ehemann Steve spielt. Ann Dowd (Die Wahlkämpferin) spielt einen Charakter namens Joanne.

TECHNIK, KAMERA, SOUNDTRACK

Es muss einfach gesagt werden: Dieser Film sieht unglaublich gut aus. Grusel-Effekte, Feuer, blutige Wunden – all das sieht sehr realistisch. Es wurde nur bei wenigen Szenen digital nachgebessert.

Die Kameraarbeit ist sehr gelungen. Fast schon statisch und mit ruhigen Kamerafahrten wird die Atmosphäre gestärkt. Sie hilft dabei, dass der Zuschauer nie weiß was passiert. Im Vergleich zu klassischen Horror-Filmen erzeugt sie auch selten bis keine erwartbaren Jumpscares. Das Szenenbild ist hauptsächlich das Haus der Grahams, die Schule der Kinder und sehr wenige Außenaufnahmen.

Die Musik wird sehr dezent eingesetzt. Manchmal setzt sie komplett aus, manchmal hören Kinobesucher nur einzelne Geräusche, die den Gruselfaktor und die Spannung erhöhen.

BEWERUNG UND FAZIT

Ich habe selten einen so gelungenen Horror-Thriller gesehen, bei dem eindeutig das Thriller-Element und die Atmosphäre im Vordergrund stehen. Der Film lässt sich Zeit, die Geschichte zu erzählen und Charaktere vorzustellen. Viellicht zu viel Zeit, denn gegen Ende wird er ein wenig langatmig und dieses ist aus meiner Sicht auch noch unbefriedigend. Zehn Minuten weniger hätten dem Streifen gutgetan. Die Atmosphäre ist hervorragend umgesetzt, die Sets sehen toll aus und wir erleben eine grandios aufspielende Toni Collette. Wer andersartige Horror-Filme im Stile von Don’t Breathe mag, der wird hier seinen Spaß haben. Fans von klassischem Horror wie etwa The Conjuring werden vermutliche Probleme bekommen.

Genrewertung Horror/Thriller: 8,5 / 10

Allgemeine Wertung: 8 / 10

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2 Gedanken zu “KRITIK: HEREDITARY – Das Vermächtnis

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