KRITIK: Red Sparrow

Ein ehemaliger CIA-Agent schrieb ein Buch namens Operation Red Sparrow. Dieses diente als Basis für einen Agenten-Thriller des Regisseurs Francis Lawrence. Jennifer Lawrence verkörpert eine russische Primaballerina, die zu einem Spion ausgebildet wird. Ob der Film, der ein wenig an Salt erinnert, am Ende sehenswert geworden ist, erfährt ihr in dieser Kritik zu Red Sparrow.

Originaltitel: Red Sparrow

Regie: Francis Lawrence

Drehbuch: Justin Haythe

Produktion: u. a. Steven Zaillian, Peter Chernin, Jenno Topping und Marry McLaglen

Kamera: Jo Willems

Musik: James Newton Howard

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©2018 20th Century Fox

HANDLUNG

Erzählt wird die Geschichte von Dominika Egorova (Jennifer Lawrence). Sie ist eine erfolgreiche Primaballerina, die sich in jeder freien Minute um ihre kranke Mutter kümmert. Eines Tages kommt es zu einem tragischen Zwischenfall und Dominika kann nicht mehr tanzen. Da bekommt sie ein Angebot von ihrem Onkel Ivan Egorov (Michael Schoenaerts), der im russischen Geheimdienst arbeitet. Sie wird in das harte Sparrow-Programm aufgenommen und zu einer Agentin ausgebildet. Eine Agentin, die ihren Körper zu einer verführerischen und tödlichen Waffe einsetzt. Schon bald erfolgt ihr erster Einsatz, sie wird auf den CIA-Agenten Nathaniel Nash (Joel Edgerton) angesetzt. Ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt.

DREHBUCH UND STORY

Der Regisseur von Die Tribute von Panem – Cathing Fire, Francis Lawrence, inszenierte diesen Thriller, der auf den Roman Operation Red Sparrow des ehemaligen CIA-Agenten Jason Matthews basiert. Herausgekommen ist ein ruhig erzählter Thriller mit einer Menge Potential, welches nicht komplett ausgeschöpft wurde.

Das große Potenzial ist vor allem in den ersten 20 Minuten erkennbar. Die Primaballerina und der CIA-Agent werden mit perfekten Schnitten eingeführt. Immer wieder wechselten die Szenen zwischen den beiden Protagonisten hin und her, grandios begleitet durch die orchestrale Musik von James Newton Howard. Als Zuschauer entstehen Glücksgefühle und die Hoffnung, dass der Film dieses Niveau halten kann.

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©2018 20th Century Fox

Leider wird die Inszenierung ab diesem Zeitpunkt ein wenig durchwachsen, da nicht klar ist was der Film eigentlich erzählen will. Er verliert ein wenig den Fokus und streut Szenen ein, die deplatziert wirken und kaum etwas mit der eigentlichen Handlung zu tun haben. Darüber hinaus kann man als Kinobesucher die Entscheidungen der Hauptfigur von Jennifer Lawrence nicht immer nachvollziehen.

In Kombination mit den deplatzierten Szenen verläuft speziell der Mittelteil sehr langatmig. Viel Sitzfleisch ist auch gefragt, da der Film mit 141 Minuten viel zu lang ist. 20 Minuten weniger im Mittelteil würde die Wertung mehr in die Höhe treiben. Der Schlussakt dagegen ist wieder ein wahres Highlight. An dieser Stelle bekommt man einen überraschenden Twist präsentiert, der auch spannend in Szene gesetzt wird. Somit verlässt man das Kino mit einem zufriedenen Gefühl.

Was noch gesagt werden muss ist, dass der Film an einigen Stellen sehr brutal und blutig inszeniert und viel nackte Haut gezeigt wird. Da wird der eine oder andere Zuschauer so wie ich Probleme haben, auf die Leinwand zu schauen. Zudem wurden westliche SchauspielerInnen engagiert, die mit russischem Akzent sprechen. Mir persönlich hat es nicht gestört, dem einen oder anderen Zuschauer könnte dies aber sauer aufstoßen.

DER CAST

Jennifer Lawrence (Mother!) als Domenika Egorova

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©2018 20th Century Fox

Nach Mother! ist es mittlerweile die zweite Rolle, in der Frau Lawrence sehr viel Körpereinsatz zeigt. Darüber hinaus beweist sie Mut zur Nacktheit. Sie verkörpert eine erfolgreiche Primaballerina, die sich in jeder freien Minute um ihre kranke Mutter kümmert. Als sie nicht mehr tanzen kann, verwandelt sie sich in eine Spionin. Persönlich bin ich nicht der allergrößte Fan von ihr, weil ich sie in erster Linie für etwas überbewertet halte. Doch in Red Sparrow hat mir ihre Leistung sehr gut gefallen.

Joel Edgerton (Loving) als Nathaniel Nash

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©2018 20th Century Fox

Ein großartiger Schauspieler, der mehr und mehr bekannter wird und viele Rollen bekommt. Er verkörpert einen CIA-Agenten, der einen Spezialauftrag in Russland hat und so ins Visier des russischen Geheimdienstes gerät. Da er spürt, dass Domenika eher unfreiwillig als Agentin arbeitet, versucht er sie auf seine Seite zu ziehen. Auch er überzeugte mich in dieser Rolle.

Weitere Charaktere

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©2018 20th Century Fox

Über alle weiteren Charaktere möchte ich nicht sehr viel sagen, damit ihr mit so wenig Informationen wie möglich in den Film hineingeht. Der gesamte Cast ist hochrangig besetzt, unter anderem spielt der Belgier Matthias Schoenaerts (The Danish Girl) den Onkel von Domenika, Iwan. Er ist derjenige, der seine Nichte in das Sparrow-Programm aufnimmt.

Weitere Mitglieder des russischen Geheimdienstes sind Ciaran Hinds (Game of Thrones) als Colonel Alexei Zyuganov und Jeremy Irons (Assassins Creed) als General Vladimir Korchnoi. Großartig ist auch Charlotte Rampling (Broadchurch) als bösartige und eiskalte Ausbildnerin. Die Szenen mit Mary-Louise Parker (R.E.D.2) als Senatorin Stephanie Boucher machen aus meiner Sicht keinen Sinn.

TECHNIK, KAMERA, SOUNDTRACK

Auf technischer Ebene macht der Film sehr viel Spaß, nur hie und da ist zu erkennen, dass nicht alles in Russland gedreht wurde. Immer wieder wechselten die Szenen von knallbunten und hellen Farben zu düsteren und dunklen. Wunden und Blut sehen sehr echt aus.

Die Kameraarbeit ist hochwertig und trumpft mit gelungenem Editing auf. Besonderes am Anfang wurde mit den Schnitten zwischen den Szenen Spannung aufgebaut. Das Szenenbild sind prunkvolle Hotelzimmer, die Büros der Geheimdienste, düstere Verhörräume, Schwimmhallen und die kühle Atmosphäre der Sparrow-Ausbildung.

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©2018 20th Century Fox

Die Musik von James Newton Howard (Phantastische Tierwesen) ist überragend, vielleicht seine beste Performance. Ein super schöner orchestraler Sound mit russischem Flair, der immer perfekt zu den gezeigten Szenen gepasst haben. Ein Genuss für den Gehörgang.

BEWERTUNG UND FAZIT

Riesiges Potenzial, das nicht komplett ausgeschöpft wurde – so lässt sich Red Sparrow zusammenfassen. Eine spannende Geschichte, ein sehr starker Beginn und ein gelungenes Ende. Dazwischen liegt ein langatmiger Mittelteil, der Szenen beinhaltet, die wenig mit der Haupthandlung zu tun haben. Der Film ist an manchen Stellen sehr brutal, was authentisch wirkt und alle SchauspielerInnen machen einen tollen Job. Gelungen ist auch der Soundtrack von James Newton Howard. Vielleicht fehlt der Inszenierung ein wenig die Action, dennoch ist der Thriller sehenswert, weil er durch eine ruhige Atmosphäre und tollen Bildern glänzt.

Genrewertung Spionagethriller: 7 / 10

Allgemeine Wertung: 6,5 / 10

 

 

 

 

2 Gedanken zu “KRITIK: Red Sparrow

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