KRITIK: Suburbicon

Der neue Film von George Clooney, geschrieben von den Coen-Brüdern. Über eine typische amerikanische Kleinstadt in den 1950er-Jahren, bei der die Idylle nur Fassade zu sein scheint. Ob wieder bissiger, schwarzer Humor zu erwarten ist und der Film generell sehenswert geworden ist, erfährt ihr in dieser Kritik zu Suburbicon.

Originaltitel: Suburbicon

Regie: George Clooney

Drehbuch: George Clooney, Ehtan und Joel Coen

Produktion: George Clooney, Joel Silver, Grant Heslov und Barbara A. Hall

Kamera: Robert Elswit

Musik: Alexandre Desplat

suburbicon

HANDLUNG

Erzählt wird die Geschichte von Suburbicon, einer idyllischen Kleinstadt in Amerika der 1950er-Jahre. Alle sind freundlich zu einander, der Postbote begrüßt alle Einwohner persönlich, es scheint eine perfekte Stadt zu sein. Doch dann zeigt sich das wahre Gesicht von Suburbicon, als Nancy Lodge (Julianne Moore) in ihrem Haus ermordet wird. Oberhaupt Gardner (Matt Damon) und seine Familie werden plötzlich in eine Reihe von mysteriösen Ereignissen verwickelt und mit Verrat und Intrigen konfrontiert. Zudem ist die Stimmung durch die erste schwarze Familie sowieso schon angespannt, sie wird immer aggressiver und die idyllische Fassade bröckelt.

DREHBUCH UND STORY

George Clooney (The Ides of March) hat das erste Mal versucht, ein Drehbuch der Coen-Brüder (Fargo) zu inszenieren. Als Schauer erkennt man die Idee hinter der Inszenierung und er bietet an vielen Stellen Großartiges und Sehenswertes, wollte aber aus meiner Sicht zu viel und es gibt einige Schattenseiten.

Zu Beginn wird die Stadt Suburbicon vorgestellt. Eine idyllische Kleinstadt, jeder wird fair und freundlich behandelt. Alles ist sauber, die Gärten sind schön gestaltet, es gibt Arbeitsplätze. Ab dem Zeitpunkt wo feststeht, dass eine schwarze Familie eingezogen ist, beginnt die Abwärtsspirale Richtung Düsterheit.

Zeitgleich mit der schwarzen Familie Myers wird die Geschichte rund um die Familie Lodge erzählt, für mich der Haupthandlungsstrang. Es geht um Themen wie Erpressung, Intrigen, Verrat. Dieser Teil der Inszenierung funktioniert sehr ordentlich. Man merkt, dass die Coen-Brüder diesen Part geschrieben haben. Der Humor ist schön bissig und schwarz, die Dialoge und einige Figuren äußerst gelungen.

Zwischendurch werden aber immer wieder Szenen mit Familie Myers gezeigt, wie sie mit dem Hass der Gemeinde umgeht und dass die Stimmung immer mehr eskaliert. Es entsteht ein Gefühl, dass zwei Handlungsstränge parallel neben einander verlaufen, die Geschichte mir der schwarzen Familie passt aus meiner Sicht nicht in das Gesamte hinein. Zudem bekommen wir keine Einführung der Figuren.

Dennoch kann gesagt werden, dass die Story unterhält und der typische Coen-Stil den Film aufwertet. Es wäre aber definitiv mehr drinnen gewesen und das Drehbuch der Fargo-Regisseure ist vermutlich nicht das Allerbeste. Ich bin aber der Meinung, hätten nur sie die Geschichte geschrieben und wäre der Fokus nur auf die Familie Lodge gelegt worden, dann hätte der Film definitiv das Zeug zu einem Klassiker der Regie-Brüder.

DER CAST

Matt Damon (Jason Bourne) als Gardner Lodge

Ich werde sehr wenig zu den Figuren sagen, um nicht zu viel zu spoilern. Gardner ist ein typischer Durchschnittsamerikaner mit einem Job, einem Haus und einer Familie. Doch je länger die Handlung voranschreitet, desto mehr und mehr zeigt sich das wahre Gesicht des Familienoberhaupts und er benimmt sich immer merkwürdiger. Matt Damon spielt seinen Charakter ordentlich, ich hatte Spaß mit seiner Performance obwohl ihm etwas das komödiantische Talent fehlt.

Julianne Moore (Kingsman: The Golden Circe) als Nancy Lodge/Margaret

Doppelrolle für die großartige Schauspielerin, die abermals eine verrückte Figur verkörpert. Zu ihr möchte ich noch weniger Details preisgeben. Jedoch sei gesagt, dass ich mir von ihr mehr erwartet habe. Ihre beiden Charaktere bieten nicht viel Spielraum, dennoch hätte sie ihre Figuren noch besser verkörpern können.

Weitere Charaktere

Wer mir am besten gefallen hat war Oscar Isaac (The Promise) als Roger. Er erscheint erst sehr spät in der Geschichte und hat viel zu wenig Screentime, aber Herr Isaac holt das Maximum aus seiner Rolle heraus. Er beweist komödiantisches Talent und tolles Timing bei seinen Dialogen.

Jungschauspieler Noah Jupe (The Night Manager) verkörpert Nicky Lodge und er macht seinen Job sehr solide.

TECHNIK, KAMERA, SOUNDTRACK

Optisch ist der Film grandios geworden. Toller Look der 1950er-Jahre und die klassische Kleinstadt-Siedlung wurde ebenfalls perfekt umgesetzt. Effekte sind soweit erkennbar nicht vorhanden, Explosionen, Blut und Narben sehen sehr echt aus.

Die Kameraarbeit hat mir auch gut gefallen. Viele Szenen spielen sich in den Häusern ab und so bekommen wir hauptsächlich Aufnahmen von sehr nah und halb-nah präsentiert. Nur sehr selten fährt die Kamera über die Stadt in der Vogelperspektive. Das Szenenbild sind die Straßen von Suburbicon, das Innere der Häuser und das Büro der Figur Gardener Lodge.

Die Musik kommt von Alexandre Desplat (Pets) und gefällt mir ausgezeichnet. Mal jazzig, mal melodisch, mal düster – immer perfekt untermalt und im 1950er-Jahre Stil.

BEWERTUNG UND FAZIT

Suburbicon hat ein wenig das Potenzial verschenkt. Er beinhaltet den typischen Coen-Stil mit dem bissigen Humor und den verrückten Charakteren Diesen Part haben die Coens geschrieben und dieser funktioniert sehr ordentlich. Aber die Geschichte rund um die schwarze Familie, die George Clooney geschrieben hat, passt für mich nicht in das Gesamtkonzept. Der Look und die Musik sind dagegen gelungen und Oscar Isaac zeigt eine grandiose Leistung. Fans von Matt Damon und den Coen-Brüdern können gerne einen Blick riskieren, allerdings funktioniert er auch später auf Blu-ray und VOD.

Genrewertung Drama/Komödie: 6 / 10

Allgemeine Wertung: 5,5 / 10

 

Quelle Bild: filmstarts.de

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