KRITIK: Girl On The Train

Eine weitere Buchverfilmung findet den Weg in unsere Kinos. Ein Film über eine Frau, die täglich mit dem Zug fährt und als Beschäftigungstherapie Familien beobachtet die entlang der Strecke wohnen. In dieser Kritik geht es um Girl On The Train.

Originaltitel: The Girl On The Train

Regisseur: Tate Taylor

Drehbuch: Erin Cressida Wilson

Produktion: Marc Platt

Kamera: Charlotte Bruus Christensen

Musik: Danny Elfman

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HANDLUNG

Die geschiedene Rachel Watson (Emily Blunt) fährt täglich mit dem Zug nach Manhattan. Arbeit hat sie keine, da sie diese wegen ihrem Alkoholproblem verloren hat. Es ist eine reine Beschäftigungstherapie und so beobachtet sie die Leute, die entlang der Strecke wohnen. Sie selbst hat auch einmal in dieser Gegend gewohnt und ihr Ex-Mann Tom (Justin Theroux) lebt immer noch in diesem Haus. Um sich von diesem Schmerz abzulenken, beginnt sie ein perfektes Paar zu beobachten.

Eines Tages erblickt sie etwas Schreckliches und wacht am nächsten Morgen teils blutverschmiert mit Wunden auf und kann sich an nichts erinnern. Als sie dann noch eine Vermisstenmeldung von der Frau sieht, die sie immer betrachtet hat, versucht sie selber zu erforschen was in dieser besagten Nacht passiert ist.

DREHBUCH UND STORY

Der Film basiert auf den gleichnamigen Roman von Paula Hawkins. Regisseur Tate Taylor (The Help) inszenierte einen spannenden Thriller, der in seiner Inszenierung aber einige Schwächen aufweist.

Der Beginn hat mir sehr gut gefallen, die Figur von Emily Blunt wird gut eingeführt und das gesamte Szenario wird ein wenig aufgebaut. Leider beginnt der Film schon nach etwa 20-25 Minuten langatmig zu werden. Das liegt auch an den vielen Rückblendungen, die der Regisseur in die Inszenierung mit eingebaut hat und da wären wir schon beim größten Problem. Denn diese Rückblendungen sind zu viel und einige Szenen bekommen die Schauer dadurch mehrfach zu sehen was den Film in die Länge zieht.

Die Auflösung des Hautptwists ist dafür wieder gelungen und was ich dem Film hoch anrechnen muss ist, dass er trotzdem spannend bleibt. Es ist bis zum Schluss nicht klar was in der Nacht passiert ist und so entstehen ein paar unvorhersehbare Momente. Aber auch hier zieht sich der Schlussakt etwas in die Länge, so dass sich die knapp zwei Stunden wie fünf angefühlt haben. 15-20 Minuten weniger hätten den Film sehr gut getan. Die Dialoge sind auch in Ordnung dafür nicht so tiefgründig. Die Charaktere sind bis auf die Hauptfigur zu uninteressant ausgefallen, da spreche ich beim Cast ein paar Worte mehr.

DER CAST

Eine starke aufspielende Emily Blunt und Nebendarsteller, die dadurch untergehen. Auch weil sie nicht spektakuläre Figuren verkörpern.

  • Emily Blunt (Sicario) als Rachel Watson

Sie zeigt ihr wahres Talent. Emily verkörpert diese zerbrechliche und einsame Figur sehr glaubhaft. Rachel musste auch einen Schicksalsschlag erleben, den ich nicht verraten möchte. Aber die Folgen daraus sind heftig. Ihr Mann lässt sich scheiden, sie fängt zu Trinken an und hat an Tagen danach einige Gedächtnislücken. Als Therapie fährt sie mit dem Zug und zeichnet ihre Wahrnehmungen in eine Mappe. Früher war ich nie ein Fan von Emily Blunt aber spätestens mit diesem Film bin ich von ihr als Schauspielerin überzeugt.

  • Haley Bennett (Die glorreichen Sieben) als Megan Hipwell

Haley verkörpert die zweite Hauptfigur in diesem Film und eine wichtige, weil es darum geht aufzuklären was mit ihr passiert ist. Sie ist verheiratet, die Nanny von Tom Watson – dem Ex-Mann von Rachel und sie geht in Therapie. Megan hat eine Sucht die ich nicht spoilern möchte. Zudem muss sie ein ähnliches Schicksal wie Rachel verarbeiten und das wird im Film gegen Ende aufgeklärt. Die Leistung von Haley war in Ordnung und noch die beste von allen anderen Cast-Mitgliedern abgesehen von Emily Blunt. Aus der Figur hätten die Filmemacher trotzdem mehr herausholen können.

  • Justin Theroux (Zoolander) als Tom Watson

Mit dieser Figur konnte ich mich nicht sehr identifizieren. Viel zu einfach gestrickt und zu wenig tiefgründig. Justin Theroux hatte es schwer, etwas Außergewöhnliches aus dieser Figur herauszuholen. Was schade ist, denn Tom Watson ist ein wichtiger Charakter der stark mit dem Ausgang der Geschichte verbunden ist. Warum das so ist und warum er und seine neue Frau sich von Rachel belästigt fühlen erfährt ihr, wenn ihr den Film schaut.

  • Luke Evans (Der Hobbit – Kampf der Fünf Heere) als Scott Hipwell

Luke hat unter anderem in Der Hobbit sein Talent bewiesen. In Girl On The Train hat mir seine Leistung nicht sehr gut gefallen, was vor allem an der Interpretation der Figur liegt. Scott ist der harte Kerl, der böse Mann der immer nur grimmig schaut. Da ist überhaupt keine Tiefe und Variation in der Mimik. Dadurch schaff ich es nicht, irgendeine Form von Bindung aufzubauen – sehr schade.

  • Weitere Charaktere

Rebecca Ferguson (Mission Impossible: Rogue Nation) ist als Anna Watson mit im Cast dabei. Sie ist die neue Frau von Tom und sie fühlt sich ebenfalls von Rachel belästigt. Eine Nebenfigur, die es schwer hat sich zu etablieren, obwohl Rebecca bemüht ist.

Zu Edgar Ramirez (Point Break) als Dr. Kamal Abdic möchte ich nicht viel sagen, außer dass er der Therapeut von Megan Hipwell ist. Seine Leistung ist solide und hat mir besser gefallen als in Point Break. Nicht weiter auffällig ist Allison Janney (The Help) als Sergeant Riley, die im Fall Megan Hipwell ermittelt.

TECHNICK, KAMERA, SOUNDTRACK

Von technischer Seite her ist das großartig ausgefallen. Die Bilder, die erzeugt werden, sind sehr atmosphärisch und echt. Effekte gibt es keine, die Wunden und Kopfverletzungen sehen gut geschminkt aus.

Die Kameraarbeit ist sehr ruhig ausgefallen, in Dialogen ist sie statisch. Bei einigen Szenen, etwa wenn die Figur von Emily Blunt versucht sich an Ereignisse zu erinnern, hält die Kamera sehr nah drauf um die Mimik und das Nachdenkliche in den Augen perfekt einzufangen. Kernpunkt der Szenen ist der Zug, mit dem der Hauptcharakter fährt. Sonst werden uns Szenen in diversen Häusern, auf den Straßen vor den Häusern und in der Polizeistation präsentiert.

Der Soundtrack von Danny Elfman ist hervorragend. Weniger Orchestermusik dafür mit Spannung unterlegte Soundelementen und ruhigen Klängen. Ein Highlight des Filmes.

BEWERTUNG

Am Ende muss ich sagen, dass ich doch enttäuscht war. Der Trailer vermittelt einen spannenden Thriller, den ich auch bekommen habe aber die Inszenierung war leider fehlerhaft. Viel zu viele Rückblendungen um die Story und vor allem den Twist aufzuklären. Teilweise war es schwer zu folgen und diese Rückblendungen sind generell nicht jedermanns Sache. Viele Charaktere sind auch zu einfach und uninteressant ausgefallen, was den Wiederschauwert des Filmes drastisch reduziert. Zugute muss ich dem Film halten, dass die Auflösung gelungen ist und ich doch überrascht war über den Ausgang. Somit ist er in seinem Genre solide ausgefallen.

Stark war die Leistung von Emily Blunt, die ihre Figur ausgezeichnet verkörpert hat. Die Musik von Danny Elfman würde ich auch als Highlight nennen. Fans von Emily Blunt und Menschen, die das Buch gelesen haben, können sich den Film in Kino anschauen. Ansonsten muss dieser Film nicht unbedingt auf der großen Leinwand gesehen werden, der funktioniert auch auf DVD oder Blu-ray.

Girl On The Train bekommt als Thriller auf meiner Genre Skala 6/10 Spannungspunkte

Girl On The Train bekommt auf meiner allgemeinen Skala 5/10 Spannungspunkte

EURE MEINUNG

Das war meine Kritik zu Girl On The Train. Wenn ihr den Film schon gesehen habt, schreibt mir eure Meinung spoilerfrei in die Kommentare. Oder schaut ihr euch den Film gar nicht an? Bin gespannt auf eure Aussagen, gerne auch auf Twitter und Facebook. Bis zur nächsten Review.

Euer Thomas

Quelle Foto: http://www.filmstarts.de/kritiken/234725.html / Contantine Film

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Ein Gedanke zu “KRITIK: Girl On The Train

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